Hyperdekantieren? Was ist das und warum?

Gestern sah ich die aktuelle Folge der HBO-Serie „Succession" an. Die Serie ist eine eindeutige Empfehlung, aber das nur am Rande. 

In einer Szene kam das sogennante Hyperdekantieren zur Sprache und ich erinnerte mich an einen kleinen Hype (Achtung, Wortspiel) in der sogenannten Weinwelt, der etwa acht Jahre oder mehr her sein muss.

 

Weil mir die Szene so gut gefiel, erinnerte ich mich an meine, bescheidene, Erfahrung mit dem Hyperdekantieren. 

Ich wurde damals durch Kunden darauf Aufmerksam gemacht und lehnte es einfach, sogar etwas angewidert, ab.

 

In der Serienszene bringt ein Protagonist seiner Schwester eine rote, schäumende Flüssigkeit in einer Art Pitcher. Auf die Frage, was das für ein Smoothie sei, antwortet er trocken: „Burgunder“.

 

Aber zurück zum Anfang. Ich bin kein großer Fan des Dekantierens an sich. Einen Wein den man 6 Stunden dekantieren muss ist eindeutig zu jung zum Trinken. Guter Wein muss reifen, und ja das erfordert Geduld. Aber guter, gereifter Wein hat eben auch einen Preis, der dieses wundervolle Gut zum grandiosen Genuss werden lässt. Meine Empfehlung dazu folgt am Ende dieses Artikels.

 

Gerade das Hyperdekantieren wurde für Rotweine unter 5 € empfohlen. Hier stellt sich aber die Frage, ob dieser Wein in einer Kategorie hergestellt wurde, aus der man durch Reifung bessere Geschmackserlebnisse erzielt. Diese Diskussion heben wir uns aber für ein anderes mal auf!

 

Aber was ist dieses Hyperdekantieren eigentlich? Der Wein kommt in den Mixer. Und zwar bis er schäumt. Der Wein, nicht der Mixer. So einfach ist das. Genauer gesagt soll in der Originalvariante wohl ein Stabmixer benutzt werden. Warum, weiß der Geier und wer denkt sich so etwas aus?

 

„Nathan Myhrvold in seinem mehrbändigen Kochbuch ‚Modernist Cuisine’“, lautet die Antwort.

 

Gesagt getan. Auch wenn ich generell kein Fan des Dekantierens bin. Meine berufliche Pflicht war es eine Probefahrt zu unternehmen. Zumal, und das gilt noch heute, immer wieder Leute von dieser Art der Rapidreifung oder Brutalalterung geradezu lauthals schwärmen. Ich befürchtete einfach einen, wie auch immer gearteten Bottleshock.

 

Long story short. Es war grausam anzusehen. Ich wählte einen jungen, deutschen St Laurent, dem ich gewisses Potential zugestanden hatte. Damaliger Verkaufspreis 10 € aus dem rheinhessischen. Ich brachte es einfach nicht übers Herz einen großen Burgunder oder Bordeaux wortwörtlich durchzumixen.

 

Man muss aber sagen, dass das Ergebnis nicht verblüffend war, zerstört hat es den Wein jedoch nicht. 

Wie oft im Leben ist Einbildung auch eine Bildung und der Glaube versetzt bekanntlich Berge. Und jeder, der auf diese Methode schwört, wird wohl kaum zugeben einen Chateau Petrus für nix und wieder nix dem Mixer übergeben zu haben.

Also muss für eine vernünftige Story natürlich ein Erfolg stehen. Gerade in der sogenannten Weinwelt sind Geschichten des Scheiterns nicht gern gehört. Und damit endet meine Erfahrung auch schon.

 

Zum Schluss noch meine Ansichten zum Dekantieren. Erst mal jeden Wein probieren. Erscheint er nach etwa zehn Minuten im Glas immer noch als zu jung, und man hat sich mehr erwartet, dann greift man zu einer Karaffe und stürzt den Wein hinein. Gereifte Weine zu dekantieren macht keinen Sinn, es sei denn man möchte den Weinstein abfiltern. Da dieser sich immer am Boden absetzt, muss man den Wein somit in aller Vorsicht langsam umfüllen. Dies kann man auch erreichen in dem man ihn vorsichtig ins Glas einschenkt. Einfach. Problem gelöst. Ich dekantiere fast gar keine Weine, ich lasse sie reifen oder schenke vorsichtig ein.

 

Aber wie immer gilt: Beim Wein gibt es kein Richtig oder Falsch, sondern nur persönliche Vorliebe. In diesem Sinne habt Spaß am Genuss und Freude am Wein. Unverkrampft und unkompliziert.

 

 

P.S.: Vielleicht werde ich zu unserer mittlerweilen traditionellen Silvesterrunde noch mal einen aufmixen. Man kann ja nie genug Gesprächsstoff an solchen Abenden brauchen. 

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